Weinblütenfest in Kaiserswerth, einem der nobleren Vororte von Düsseldorf im Norden. Das gibt es jetzt schon seit einigen Jahren, und es hat sich zu einer festen Größe im Terminkalender gemausert. Anfangs noch belächelt, heute ein wirklich schönes Event. Aber langsam mit den jungen Pferden, worum geht es da überhaupt? Kurz zusammengefasst: erstklassige Köche und Winzer präsentieren tolles Essen und tolle Weine zu zivilen Preisen. Das alles "draussen auf der Straße", an Bierbänken und Stehtischen, was dem ganzen einen einzigartig lockeren Touch verleiht. Hier sitzt oder steht man, eh mans sich versieht, neben Lokalprominenz und fachsimpelt über Speisen und Getränke. Im poshen Düsseldorf ja eine eher seltene Gelegenheit, dafür aber umso wert- und reizvoller.
Dieses Mal spielte - im Gegensatz zu letztem Jahr - erfreulicherweise auch das Wetter mit. Was zu allseitigem Andrang führte, der Freude aber erstmal keinen Abbruch tat. Gleich am ersten Stand angehalten, und einen Lugana probiert. Fruchtig, vollmundig, hätte ein winziges bisschen süßer sein dürfen. Aber gut.
Danach eine erste Runde über den Kaiserswerther Marktplatz gedreht. Alles mit Rang und Namen - ausser uns Johann Lafer, weilt wohl in Südafrika - vor Ort. Alle Altersklassen, alle Küchen: von Nelson Müller, Neuentdeckung bei Markus Lanz im TV, über Jean-Claude Bourgeouil, Institut und Inhaber des Düsseldorfer Schiffchens, zu Erika Bergheim aus dem Essener NERO, einzige weibliche Sterneköchin Deutschlands, bis hin zu Peter Nöthel, dem hochdekorierten Chefkoch aus dem Hummerstübchen. Also wirklich für jeden Geschmack was dabei. Und vor allem: für kleines Geld. Siehe mein erstes Beutestück, vom La Residence:
Eine Trilogie von Schokolade mit Mangosorbet auf Erdbeersugo. Für sieben Euro. Wo ist denn das Mangosorbet?, mag sich der geneigte Leser fragen. Ja, wo wohl? Natürlich in der Schokoladenhülle, rechts im Bild. Super. Das muss ich mir unbedingt merken, den Aha-Effekt fand ich persönlich super. Das Mandelkrokant auf den Erdbeeren hätte ich nicht unbedingt gebraucht, aber dafür war der Schoko-Dreiklang toll. Konsistenz cremig, aber fest genug, dass sich die einzelnen Schichten nicht vermischen.
Dann nebenan einen Blick auf die Auslage geworfen: frische Austern und Meeresfrüchte. Erinnert mich immer an Urlaub, wenn ich solche Stände sehe. Einfach schön.
Jetzt musste aber erstmal Grundlage für die hungrigen Mäuler geschaffen werden. Quasi auf nüchternen Magen ist auch ein einzelnes Glas Wein eine relative Herausforderung. Mittlerweile hatten wir nämlich auch liebe Freunde getroffen, und es versprach ein geselliger und alkoholiger Nachmittag zu werden. In Gesellschaft trinkt es sich eben immer besser. Praktischerweise fiel unser Blick auf einen Currywurststand Deluxe, aufgestellt von einem Edel-Caterer. Na wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl war. Andreas und Anna orderten die Kalbsbratwurst mit Deli-Sauce.
Und offensichtlich war die ein Hit, denn Anna konnte nicht umhin, die Ration zum Mitnehmen für zuhause zu ordern. Auf viele äußerst leckere Currywürste! Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass kein Fitzelchen übrig blieb. Es gab auch eine Variante mit Blattgold, aber die lief wohl nicht so gut - das poshe Düsseldorf hat sich daran wohl seit Einführung dieser Spielart im Curry auf der Moltkestraße schon sattgesehen.
Da ich ja mit Currywurst auf Kriegsfuß stehe, ließ ich den Blick noch ein bisschen weiter schweifen - und er fiel, siehe da, auf ein weiteres Dessert, dass ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen konnte. Na, wer will einen Tipp abgeben? Klar, die Qual der Wahl: Bachsaibling, geschmortes Ochsenbäckchen, Hummersuppe, gebratene Gänsestopfleber mit Aprikosenchutney, oder doch lieber süß?
RICHTIG! Das Dessert. Natürlich. Merkt man, dass ich eine Naschkatze bin? Wohl kaum. Aber mal ehrlich: wer kann denn bei pochiertem Schokoladenkuchen mit Tonkabohnenrahmeis allen Ernstes "Nein" sagen?! Ich jedenfalls nicht. Schon gar nicht, wenn diese Geschmacksbombe nur acht Euro kostet. Und so verführerisch daherkommt.
Könnte ich glatt schon wieder essen. Der Schokoladenkuchen unglaublich saftig und schokoladig, fast schon wie Fondant. Auf einmal hatte ich lauter Currywurst-Picker bewaffnete Finger in Tellernähe, die auf die Gelegenheit warteten, sich was abknapsen zu können. Aber ich teile ja gerne. Nur eben nicht mit Currywurst-Picker. Aber keine Sorge, die anderen durften auch probieren. Und verfielen prompt in Mmmmmh, Oooooohs und Aaaaaaahs allererster Güteklasse. Auch das Tonkabohnenrahmeis bekam Bestnoten: nicht zu stark aromatisiert, Konsistenz perfekt, zarter Schmelz. Seufz. Das Alibi-Obst hätte ich jetzt nicht gebraucht, aber hey, es beruhigt bei manchem wahrscheinlich das Gewissen. Das ich zu dem Zeitpunkt längst ausgeschaltet hatte. Denn: Life is short. Eat dessert first.
Es gab aber natürlich auch herzhafte Leckereien: von Straußensteak in Cashew-Nuss-Kruste für 15 Euro über Jakobsmuschelspiel mit grünem Thai-Curry für 10 Euro bis hin zum berühmten Bourgeouil´schen Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen zu 16 Euro. Alles vor den Augen der Gäste direkt draussen am Stand zubereitet. Sensationell. Hier Nougat von der Gänseleberpastete mit Brioche und Portweinreduktion.
Alleine das Brioche finde ich schon toll: da macht sich jemand die Mühe und fabriziert ein Mini-Brioche in der traditionellen Form mit Öhrchen links und rechts, der Teig unglaublich saftig, einfach eine perfekte Variante des Originals. Und kombiniert so passend mit so feinen Schweinereien. Bon Appétit. Die Franzosen sind schon Lebenskünstler.
Beim abschliessenden Bummel über den Kaiserswerther Markt konnte ich dann noch am Marmeladen-Stand diese kleinen, süßen Früchtchen für je einen Euro ergattern:
Selbstgemachte Konfiture bzw. Marmelade in den Geschmacksrichtungen Espresso-Kirsche mit Zartbitterschokolade, Apfel mit Caramel und Brombeeren mit Rosmarin. Gott, was freu ich mich schon aufs nächste Frühstück...









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