8.6.10

Lektionen in Demut, Teil 1 - Quiche mit grünem Spargel, Ziegenkäse und Himbeeren

Jedesmal, wenn ich gerade einen akuten Anflug von Größenwahn erleide und denke: "Yes. Ich kanns. Ich bin die Königin der Küche. Ich schaff das alles mit Links, aus dem Eff-Eff!" gibt es SOFORT einen ordentlichen Dämpfer. Gott sei Dank, denkt der Lebensgefährte. Sonst dreht sie ja noch völlig durch. Und er hat Recht.

Hier der Stein des Anstoßes: mein letztes Late-Night-Experiment. Eine Quiche mit grünem Spargel, Ziegenkäse und Himbeeren.


Was will sie denn? höre ich den ein oder anderen fragen. Sieht doch super aus?! Tatsache. Und schmecken tut sie auch. Sensationell sogar. Wenn man sie denn aus der Form bekommt. Denn ich habe gleich mehrere folgenschwere Formfehler gemacht.

Nummer 1: nicht ans Rezept gehalten. Pah, wer braucht denn schon Rezepte? Die sind doch was für Anfänger. Dachte ich. Pustekuchen. Wenn das Rezept sagt 250g Mehl auf 100g Butter, dann sollte man das auch machen. Ich hab nur 200g Mehl genommen. Passt schon. Das war aber ehrlich gesagt das kleinere Problem, denn interessanterweise begann hier meine Rezepthörigkeit, und ich gab meine Erfahrung an der Garderobe ab.

Nummer 2: ans Rezept gehalten. Muss man den Teig beim Vorbacken nicht eigentlich einstechen? Ich hätte es wissen müssen. Aber im Rezept stand nichts von Einstechen. Ich hab mich noch gewundert, aber gutmütig die Form einfach so in den Ofen geschoben. Und siehe da - der Boden warf zwei wunderschöne, RIESIGE Blasen. Suboptimal, wenn man flüssige Füllung auf dem Boden verteilen will. Womit wir auch schon beim nächsten Fehler wären.

Nummer 3: keinen anständigen Rand geformt. Warum auch, passt schon. Woraufhin sich die flüssige Füllung natürlich nicht nur AUF dem Boden, sondern auch überall sonst verteilte. Was ich aber schon resignierend befürchtet hatte und widerspruchslos zur Kenntnis nahm. Also ab damit in den Ofen und gehofft, das sich irgendwie alles zum Guten wendet.

Was es dann ja auch tatsächlich - wider Erwarten - tat. Denn wenn man erstmal ein Stück aus der Form gehievt hat, dann schmeckt es warm wie kalt hervorragend. Die Frische vom grünen Spargel, das Würzige vom Ziegenkäse, die Süße der Himbeeren, gepaart mit der leichten Basilikumnote - das ist schon was Feines.


Und die Moral von der Geschicht? Vor dem Kochen oder Backen: Hirn einschalten. Soll helfen.



Rezept für Quiche mit grünem Spargel, Ziegenkäse und Himbeeren


Zutaten

250g Mehl
100g Butter
1 Ei
Prise Salz
2 handvoll Basilikum-Blätter, frisch
400g grüner Spargel
handvoll Himbeeren
50g Ziegenkäse
120ml Milch
3 Eier
60g Saure Sahne
Salz und Pfeffer


Zubereitung
  1. Aus den ersten vier Zutaten einen Mürbteig herstellen. Mindestens 30 Minuten kühlen.
  2. Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen.
  3. Teig aus dem Kühlschrank nehmen, ausrollen, und eine Quiche- oder Tarteform damit auslegen. RAND FORMEN UND BODEN MIT EINER GABEL MEHRFACH EINSTECHEN!
  4. Den Boden ca. 20 Minuten vorbacken. Aus dem Ofen nehmen.
  5. Hitze auf 180°C reduzieren.
  6. Basilikum in Streifen schneiden. 
  7. Spargel in passend lange Stücke schneiden. 
  8. Himbeeren halbieren.
  9. Ziegenkäse in möglichst kleine Würfel schneiden.
  10. Für den Guß saure Sahne, Milch und Eier verquirlen. 
  11. Basilikumstreifen zugeben. Salzen und Pfeffern.
  12. Spargelstücke auf dem Boden verteilen. Mit Guß übergießen.
  13. Käsewürfel drüberstreuen, dekorativ die Himbeerhälften auf dem Ganzen verteilen.
  14. Ca. 35 Minuten backen. 


Guten Appetit! Enjoy your meal! Bon Appétit!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen